Wer »Seamaster« sagt, denkt an James Bond oder an eine Taucheruhr. Dabei ist die Seamaster heute die älteste Linie im Omega-Katalog, und sie begann 1948 als elegante Uhr, die Wasser vertrug. Von diesem eleganten Ursprung bis zu den großen Taucheruhren ist die Familie gewachsen, ohne je ihre dezenten Modelle zu verlieren, jene, denen man bei Sammlern am häufigsten begegnet.
1948: eine Uhr, geboren aus einem Jahrhundertjubiläum
Omega feiert 1948 sein 100-jähriges Bestehen und bringt eine neue Familie auf den Markt, die die im Krieg gesammelte Erfahrung aufgreift, als die Marke unter anderem britische Soldaten ausstattete. Ihre Besonderheit: ein Dichtungsring aus Gummi zwischen Gehäuse und verschraubtem Gehäuseboden. Dieses technische Detail ist der Ursprung der Wasserdichtigkeit der Uhr, die jene vieler Militäruhren der Zeit übertraf.
Gelegentlich liest man, die Seamaster sei für die Olympischen Spiele in London im selben Jahr entstanden. Die offiziellen Quellen sprechen nur vom Jubiläum, und wir halten uns deshalb daran.
Diese ersten Seamaster messen etwa 34 mm, in Edelstahl oder vergoldet, mit einem schlichten, gut ablesbaren Zifferblatt. Automatikwerke mit »Bumper«-Rotor gehören zu den ersten verwendeten Uhrwerken. Der Bumper ist ein altes Aufzugssystem, bei dem die Schwungmasse nur einen kleinen Bogen beschreibt und an Anschlägen abprallt, daher der leichte Stoß, den man mitunter am Handgelenk spürt.
Die 1950er Jahre: die Automatik mit Vollrotor
Mitte des Jahrzehnts führt Omega die Kaliber der 500er-Serie mit um 360° drehendem Rotor flächendeckend ein, die die Bumper nach und nach ablösen. Die Seamaster dieser Zeit gibt es als Calendar-Versionen mit Datumsfenster bei 3 Uhr und in vielfältigen Ausführungen: goldfarbene Zifferblätter, vergoldete Gehäuse mit Edelstahlboden, Crosshair-Muster (ein feines, in das Zifferblatt graviertes Fadenkreuz).
Es ist auch die Zeit, in der das Seepferdchen auf den Gehäusebodenn erscheint. Dieses Emblem ist von den Seepferd-Skulpturen inspiriert, die die Gondeln Venedigs zieren. Die Quellen schwanken zwischen 1956 und 1958, die meisten nennen 1958.
1957: die Seamaster 300 und die Trilogie
1957 präsentiert Omega drei Profiuhren: die Railmaster, die Speedmaster und die Seamaster 300. Letztere (Referenz CK2913) ist die erste Seamaster zum Tauchen. Sie misst etwa 39 mm und erhält eine drehbare Lünette, leuchtende dreieckige Indizes und die »Broad Arrow«-Zeiger, die zum Markenzeichen wurden.
Ihr Name führt in die Irre: Die »300« entspricht nicht der zertifizierten Tiefe, die bei 200 m lag. Die allgemein akzeptierte Erklärung lautet, dass die Prüfeinrichtungen von Omega keine größeren Tiefen zuließen.
Anfang der 1960er Jahre verändert die Seamaster 300 ihr Erscheinungsbild: größeres Gehäuse (42 mm), lyraförmige Hörner, andere Zeiger. Die Quellen datieren sie auf 1962 oder 1964.
Die Ranchero, ein kurzlebiger Cousin
1958 erscheint ein weiteres Modell, die Ranchero, konzipiert als vielseitige, flachere und erschwinglichere Uhr. Sie verkauft sich schlecht und ihre Produktion endet bald, was heute ihre Seltenheit ausmacht. Sammler nennen ein Ranchero-Gehäuse mit Seamaster-Zifferblatt »Seachero«.
Die 1960er Jahre: zwei Familien, zwei Schicksale
Die eleganten Seamaster verkaufen sich neben den Taucheruhren weiterhin gut. Omega beschließt daher, sie unter dem Namen De Ville abzugrenzen, der in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre zu einer eigenständigen Linie wird.
Die schlichten Seamaster mit Handaufzug bleiben dennoch in verschiedenen Varianten im Katalog.
1970: die Ploprof und der Wettlauf in die Tiefe
Berufstaucher gehen immer tiefer, und Omega antwortet mit der Seamaster 600, genannt »Ploprof« (für »plongeur professionnel«). Sie erforderte etwa vier Jahre Forschung, ihr Gehäuse wurde bereits 1967 patentiert. Die Marke testete sie mit der Firma Comex und dem Team von Cousteau. Sie erscheint nach den meisten Quellen 1970, nach einigen 1971. Ihr massives, bis 600 m wasserdichtes Monoblock-Gehäuse hatte nichts mit dem gemein, was die Seamaster bis dahin hervorgebracht hatte.
In den 1970er und 1980er Jahren veranlasst die Quarzkrise Omega, die Seamaster-Varianten zu vervielfachen.
1993: die 300M schließt das Vintage-Kapitel
1993 erscheint die Seamaster Professional Diver 300M mit Heliumventil und einem Zifferblatt mit Wellenmuster. Zwei Jahre später trägt Pierce Brosnan eine in GoldenEye. Dieses Modell beschließt unsere Vintage-Epoche. Die Aqua Terra und Planet Ocean der 2000er Jahre gehören bereits zu einer anderen Geschichte.
Die Geschichte der Seamaster ist die einer Familie, die sich geteilt hat: auf der einen Seite immer tiefer tauchende Taucheruhren, auf der anderen elegante, zuverlässige Uhren, von denen viele heute erschwinglich bleiben.
Wie wählt man eine Vintage-Seamaster richtig aus?
Beginnen Sie bei einer alten Seamaster mit dem Zifferblatt. Es prägt den Charakter der Uhr, und eine Patina wird oft sehr geschätzt. Sie zeigt sich im cremefarbenen oder goldenen Farbton, der sich über die Jahrzehnte entwickelt hat, in kleinen Flecken oder Stockpunkten, die ihre Geschichte erzählen. Ein nie überarbeitetes Zifferblatt bewahrt diese Persönlichkeit, und jedes Stück ist anders.
Betrachten Sie dann das Ganze: eine mit Omega signierte Krone, ein zur Referenz passendes Kaliber. Mit unserem Decoder können Sie die Uhr außerdem selbst datieren, anhand der auf dem Uhrwerk sichtbaren Seriennummer.
Das originale Glas wurde im Lauf der Revisionen oft ersetzt. Das ist üblich und schmälert die Uhr nicht. Mitunter lässt sich das originale Glas wiederfinden.
Zur Größe: Diese Seamaster messen in der Regel 33 bis 34 mm, gelegentlich mit etwas größeren Formaten wie der Ranchero (36 mm). Ihre Eleganz ist dezent, nie aufdringlich.
Ein abschließender Hinweis: Trotz der Geschichte der Seamaster sind diese Uhren über 60 Jahre alt, und ihre Dichtungen sind gealtert. Das ist kein Auswahlkriterium, aber man hält sie besser vom Wasser fern.
Welche Vintage-Seamaster sind in unserer Boutique erhältlich?
- Seamaster Calendar 2849 1SC, 1956: Automatik-Kaliber 503, Edelstahl 34 mm, goldenes Zifferblatt mit Patina, Datum bei 3 Uhr.
- Seamaster Automatic 2846/2848 5SC, 1958: Kaliber 501, vergoldetes Gehäuse 34 mm, Crosshair-Zifferblatt mit Patina.
- Seamaster Ranchero 2996 »Stardust«, 1959: Kaliber 284 mit Handaufzug, Edelstahl 36 mm, mit Auszug aus den Omega-Archiven.
- Seamaster 14384-2SC, 1959: Kaliber 610 mit Handaufzug und Datum, Edelstahl 33 mm, cremefarbenes Zifferblatt.
- Seamaster 14759 SC-61, 1961: Kaliber 600 mit Handaufzug, Edelstahl 33 mm, cremefarbenes Zifferblatt mit Stockpunkten.
Jede Uhr wird geprüft, von unserem Uhrmacher revidiert und mit 12 Monaten Garantie angeboten. Entdecken Sie alle unsere Omega-Vintage-Uhren.
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